Was tun, um die Demokratie zu stärken?
Ob von außen oder innen – demokratische Gewissheiten werden hierzulande zunehmend infrage gestellt. Welchen Beitrag man als junger Mensch für die Bewahrung unserer Staatsform leisten kann, haben 5 Schülerinnen und Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums Friesoythe ganz individuell erörtert. Ihre Essays wurden nun im Sammelband „Keine Zeit für Apathie, keine Zeit zu schweigen!“ veröffentlicht.
Friesoythe, 21.02.2026
„Wie die Luft um uns herum“ sei die Demokratie. Eine „unsichtbare Kraft, die uns zusammenhält“, heißt es an einer anderen Stelle. Was als Thema des Politikunterrichts bisweilen abstrakt und theoretisch erscheint, sollte auf persönliche Weise anschaulich und greifbar werden, als 5 Schülerinnen und Schüler sich vor rund einem dreiviertel Jahr freiwillig mit der Frage auseinandersetzten, in welcher Weise sie sich für die Demokratie einsetzen möchten. Diese wurde von ihrem Lehrer Mathias Protschka in Absprache mit Harald Roth gestellt. Roth hat neben Publikationen zur NS-Zeit in den letzten Jahren wiederholt Veröffentlichungen zum Zustand und zu Gefährdungen der Demokratie kuratiert. Während zuvor vor allem Künstler, Schriftstellerinnen und Wissenschaftler mitgewirkt hatten, sollten im aktuellen Band auch junge Stimmen zu hören sein.
„Es war das erste Mal, dass ich auf diesem Niveau einen Text verfasst habe. Das war herausfordernd, aber es hat auch Spaß gemacht“, erinnert sich Erik Assenheimer. Ihm ging es genauso wie Mattis Meckelnborg, für den die eigenständige Arbeit am Essay zugleich auch eine gründliche Reflexion der eigenen politischen Haltung darstellte. Dass es solch eine gibt, ist für Meckelnborg ebenso selbstverständlich wie für dessen Mitschülerin Lieselotte Vey. „Für mich ist die Frage, wie ich mich politisch engagieren kann, immer schon relevant gewesen“, erklärt die 17-Jährige. In die Freude darüber, sich als junge Frau in solcher Öffentlichkeit kritisch politisch äußern zu können, mischt sich bei Lieselotte Vey aber auch Nachdenklichkeit: „Es stellt sich die Frage, inwiefern unsere Essays über die ‚Bubble‘ der Demokraten hinaus auch Resonanz erfahren. Denn schließlich müssen wir ja die Nicht-Demokraten erreichen.“
Neben diesen Dreien haben sich auch Timon Ahlers und Jannika Hüne mit der Aufgabe beschäftigt. Ahlers setzte in seinen Überlegungen den Einsatz für die Demokratie mit dem Eintreten für Mitmenschen gleich, wohingegen Hüne ihren Essay mit der Frage „Liebe Demokratie, wer bist du?“ einleitete – um schließlich zur Erkenntnis zu gelangen, dass sich alle für Demokratie einsetzen müssen, um die gesellschaftliche Vielfalt zu bewahren.
Während die beiden Letztgenannten im letzten Sommer mit dem Abitur in der Tasche das Albertus-Magnus-Gymnasium verlassen haben, bekamen Erik Assenheimer, Mattis Meckelnborg und Lieselotte Vey in der Schulbibliothek nun die druckfrischen Exemplare überreicht. „Total krass, seinen Namen in solch einem Buch zu finden. Ein Random aus Niedersachsen neben Leuten, die alle einen Wikipedia-Eintrag haben“, meinte Mattis Meckelnborg begeistert darüber, dass er nun in demselben Inhaltsverzeichnis steht wie beispielsweise die Klimaaktivistin Carla Reemtsma oder der Historiker Heinrich August Winkler.
Harald Roth (Hrsg.): Keine Zeit für Apathie, keine Zeit zu schweigen! Texte für eine weltoffene Demokratie. Bonn: Dietz, 2026. 22,00 Euro.

